Sobald ich von den Camino-Plänen erzähle, kommt fast immer echtes Interesse zurück, oft sogar ein bisschen Bewunderung. Kaum jemand fragt mich, warum ich mir das antue – die meisten finden die Idee gut, manche sogar beneidenswert. Trotzdem stelle ich mir die Frage nach dem „Warum“ selbst immer wieder. Nicht, weil ich sie beantworten müsste, sondern weil sie mich einfach beschäftigt.
Denn eine einzige, griffige Antwort habe ich darauf ehrlich gesagt nicht. Und ich glaube, das ist auch gut so. Wer den Camino schon einmal gegangen ist, weiß vermutlich, wovon ich rede: Es ist selten ein einzelner Grund, der einen auf den Weg bringt, sondern eher eine Mischung aus vielem, das sich unterwegs sowieso noch verschiebt.
Was ich sagen kann: Es hat etwas mit der Einfachheit zu tun. Ein Tag auf dem Camino hat wenig Optionen – aufstehen, laufen, ankommen, essen, schlafen. Keine hundert Entscheidungen, die getroffen werden müssen, kein Termin der dazwischenfunkt. Das klingt banal, fühlt sich aber erstaunlich befreiend an, wenn man es einmal erlebt hat.
Und es hat etwas mit den Menschen zu tun, die man auf keinem anderen Weg treffen würde. Das habe ich ja schon beim Rückblick auf 2023 erzählt – dieser Teil zieht mich vermutlich am stärksten wieder hin.
Wie sehr das schon jetzt gilt, obwohl ich noch keinen einzigen Schritt gegangen bin, hat mich selbst überrascht: Über eine Facebook-Gruppe zum Camino habe ich Kontakt zu Michaela bekommen, die zufällig genau zur selben Zeit in Saint-Jean-Pied-de-Port starten möchte. Ein paar Nachrichten später stellte sich heraus, dass wir ohnehin gemeinsam ab Paris anreisen und, ohne voneinander zu wissen, sogar dieselbe Unterkunft in Saint-Jean gebucht haben. Der Camino bringt Menschen offenbar schon zusammen, bevor er überhaupt begonnen hat.
Ob es daneben noch tiefere, persönlichere Gründe gibt? Ganz sicher. Nur sind die bei mir selbst gerade noch nicht ganz sortiert, ehrlich gesagt. Vielleicht ist das auch schon Teil der Antwort: dass man manchmal erst unterwegs merkt, worum es eigentlich geht. Sobald sich das klarer zeigt, lest ihr es hier – vermutlich noch bevor es überhaupt losgeht.

